Das Quadrat mit all seinen Varianten gilt nicht nur als Bildformat, sondern auch als Motiv, Metapher und Symbol. Welche Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten sich dabei ergibt, zeigt die zweite Ausstellung der Langener Künstlergruppe KLan – die Abkürzung bedeutet Kunst Langen – im Alten Rathaus am Wilhelm-Leuschner-Platz.

Es sind namhafte Künstler, die sich 2013 in der Vereinigung KLan zusammengefunden haben: Anne Baeumerth, Helga Meier-Hoffmann, Claudia Jansen-Niedermeier, Renate Kletzka, Bettina Kykebusch und Gunther Sehring sind durch ihre zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in der regionalen Szene bekannt. Ihre erste gemeinsame Schau „Projekt Langen“ im ersten Halbjahr 2014 kam überaus gut bei den Besuchern an.

 

Gunther Sehring hat Kunstgeschichte, Kunstpädagogik und klassische Archäologie an der Goethe-Universität in Frankfurt studiert. Zu seinen Werken für die neue Ausstellung „KLan Quadrat“ sagt er: „In meiner Bildwelt taucht die konstruktiv-quadratische Form schon sehr früh auf. Sagt diese sowohl archaische wie intellektuelle Grenzen setzende Form – vier simple, gerade Linien, zusammengefügt im Nichts – nicht zugleich alles? In der alten Ikonografie zuweilen die Welt – mithin auch das Menschliche schlechthin – symbolisierend, versinnbildlicht sie ein Zuhause zwischen vier Wänden.“

Bettina Kykebusch meint: „Das Quadrat steht für die ideale Form – der Dschungel für den idealen Wald. Bei den Malereien mit dem Titel ,El Yunque‘ befinden wir uns in der Mitte des puerto-ricanischen Regenwaldes. Dessen Dach wirkt geschlossen und alle Blickachsen sind auf die Strukturen, Formen und Farben des Regenwaldes gelenkt. In den fünf Arbeiten ,Lenneberg²‘ ist der Mainzer Lennebergwald spielerisch, assoziativ in kräftigen Farben eingefangen wie für ein Memoryspiel. Auch das Thema Wasser spielt wieder eine Rolle: Für unsere Gemeinschaftsarbeit habe ich es in gefrorener Form und zurückgenommener Farbigkeit zeichenhaft ins Quadrat gebracht. Im Gegensatz dazu erscheinen die ,Antlitze‘ des Langener Paddelteichs in geballter Farbigkeit.“

Renate Kletzka nähert sich dem neuen Kunstprojekt streng und neutral: „In den drei Arbeiten für das Gemeinschaftsobjekt habe ich eine thematische Auseinandersetzung mit dem Quadrat versucht. Die mathematische Klarheit hat mich herausgefordert, mit seiner Strenge zu brechen. Es entstanden nur vage erkennbare kleine Quadrate. Sie sind ungenau, unklar, ungerade geworden, kleine verspielte farbige Flächen in einer quadratischen Außenform. Noch Quadrat oder schon etwas anderes? Allen anderen Arbeiten liegt das Quadrat formal zu Grunde, die Form bestimmt den Weg.“

„Das Quadrat ist für mich eine feste Form, eine Begrenzung“, erläutert die Malerin Anne Baeumerth, die schon öfter im Alten Rathaus Bilder ausgestellt hat. „Aus dem Spiel mit Farben, Formen und Buchstaben werden Kompositionen und Eindrücke zum Ausdruck gebracht“, sagt die Künstlerin. Ihre Kollegin Helga Meier-Hoffmann stellt fest: „Kunst ist Veränderung! Auch im Quadrat. Am Anfang werden die Farben für das Bild bestimmt. Da ich viele Übermalungen und Schichtungen vornehme, kann das Ergebnis am Ende völlig anders aussehen. Ich hoffe, mit meiner Malerei beim Betrachter Emotionen und Gefühle auszulösen, ganz gleich welcher Art. Denn Kunst ist immer polarisierend. Wichtig ist, dass man sich damit auseinandersetzen kann.“

Weitere Infos gibt es unter: www.klan-kunst.de

Claudia Jansen-Niedermeier hat Design an der Hochschule für Gestaltung in München studiert. „Meine aktuellen Gemälde verweisen auf meinen engen Bezug zum Norden, zum Wasser und zum Meer. Diese Motivik begleitet mich seit nunmehr 30 Jahren. Damals lebte ich an der Nordsee. Die atmosphärische Stimmung, das intensive Licht des Nordens, das Wasser – dies alles spiegelt sich in den Farben wider. Das Quadrat als Format erlaubt ein interessantes Kombinieren der einzelnen Bilder“, erläutert die freischaffende Langener Künstlerin.

Die Vernissage ist am Freitag, 30. Oktober, 20 Uhr. Es sprechen Bürgermeister Frieder Gebhardt und der Kunsthistoriker und -kritiker Dr. Roland Held (Darmstadt), der den Gästen das Thema der Werkschau näherbringt. Die quadratischen Objekte sind bis zum 13. Dezember zu sehen. Geöffnet ist das Alte Rathaus jeweils samstags von 10 bis 12, sonntags von 14 bis 17 Uhr; außerdem parallel zum Weihnachtsmarkt und nach telefonischer Vereinbarung unter s 06103 203-401. Auf Wunsch sind Führungen durch die Künstler möglich. Die Finissage ist für Sonntag, 13. Dezember, ab 15 Uhr, geplant.